Mietrendite berechnen – Formel, Beispiel und der Hebel
Die Rendite steht in fast jedem Inserat, und fast immer ist sie zu optimistisch. Der Grund ist selten böse Absicht: Die Bruttorendite ist einfach die Jahresmiete geteilt durch den Kaufpreis – und dabei fehlen genau die Posten, die dein Geld wirklich kostet. Kaufnebenkosten, Leerstand, Verwaltung und Instandhaltung verschwinden in der Zahl, und übrig bleibt ein Vergleichswert, der mit der Realität wenig zu tun hat.
Auf dieser Seite lernst du die drei Renditen kennen, die für eine ehrliche Bewertung zählen: die Bruttorendite, die Nettorendite und die Eigenkapitalrendite. Alle Formeln sind nachrechenbar, an einem Beispielobjekt durchgerechnet – und der Rendite-Rechner von BaseImmo rechnet genau so, mit deinen Zahlen.
Die drei Renditen, die du auseinanderhalten musst
Alle drei Kennzahlen beantworten eine andere Frage. Die Bruttorendite sagt, wie viel Miete ein Objekt im Verhältnis zum Preis einspielt. Die Nettorendite zieht die laufenden Kosten ab. Die Eigenkapitalrendite misst, was dein eingezahltes Geld tatsächlich abwirft – inklusive des Effekts des Kredits.
Beispielobjekt für alle Rechnungen: Eigentumswohnung für 250.000 Euro, 75 Quadratmeter, 900 Euro Kaltmiete im Monat. Kaufnebenkosten von 26.425 Euro (10,6 Prozent) und nicht umlagefähige Kosten von 1.800 Euro im Jahr, dazu zwei Prozent Mietausfall.
| Kennzahl | Formel | Beispielobjekt |
|---|---|---|
| Bruttomietrendite | Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100 | 10.800 ÷ 250.000 = 4,3 % |
| Bruttorendite auf Gesamtinvestition | Jahreskaltmiete ÷ (Kaufpreis + Nebenkosten) × 100 | 10.800 ÷ 276.425 = 3,9 % |
| Nettomietrendite | (Jahresmiete − Mietausfall − nicht umlagefähige Kosten) ÷ Gesamtinvestition × 100 | (10.584 − 1.800) ÷ 276.425 = 3,2 % |
| Eigenkapitalrendite | (Nettomiete − Zinsen) ÷ Eigenkapital × 100 | bei 30 % EK und 4 % Zins: (8.784 − 7.740) ÷ 82.928 = 1,3 % |
Warum die Bruttorendite im Inserat systematisch zu gut aussieht
Rechnet ein Verkäufer mit 250.000 Euro Kaufpreis und 10.800 Euro Jahresmiete, verkauft er das Objekt mit 4,3 Prozent. Es fehlt aber einiges, bevor diese Zahl deine Rendite wird. Die Grunderwerbsteuer, der Notar, das Grundbuchamt und gegebenenfalls die Maklerprovision fallen einmalig an, und die laufenden Kosten fallen jedes Jahr an.
- Kaufnebenkosten von rund 10 bis 11 Prozent fehlen in der Zahl – sie erhöhen den Einsatz, ohne eine Miete zu bringen
- Mietausfall: 2 Prozent Leerstand und Zahlungsausfälle sind in einer vernünftigen Rechnung der Normalfall
- Nicht umlagefähige Kosten wie Verwaltung, Instandhaltungsrücklage und Reparaturen bleiben unberücksichtigt
- Die Steuer auf die Mieteinkünfte wird in der Bruttorendite komplett verschwiegen
Objektrendite, Eigenkapitalrendite und der Hebeleffekt
Die Nettorendite bewertet das Objekt, die Eigenkapitalrendite bewertet deine Entscheidung. Wenn du die Wohnung mit 100 Prozent Eigenkapital kaufst, sind beide gleich. Sobald ein Kredit dazukommt, entsteht der Hebel: Das Fremdkapital verstärkt den Effekt deines Eigenkapitals – nach oben, wenn die Nettorendite über dem Zins liegt, und nach unten, wenn sie darunter liegt.
Rundes Beispiel: Ein Objekt für 100.000 Euro wirft 8.000 Euro Nettoertrag ab, das sind 8 Prozent. Mit 20.000 Euro Eigenkapital und 80.000 Euro Darlehen zu 4 Prozent bleiben nach 3.200 Euro Zinsen 4.800 Euro übrig – bezogen auf 20.000 Euro Einsatz sind das 24 Prozent Eigenkapitalrendite. Liegt die Nettorendite dagegen unter dem Zinssatz, frisst der Kredit den Ertrag und die Eigenkapitalrendite rutscht unter die Objektrendite oder ins Minus.
Der Hebel ist deshalb kein Trick, sondern eine Wette auf den Abstand zwischen Objektrendite und Zins. In der Praxis heißt das: Die Frage ist nicht, wie hoch der Hebel ist, sondern ob das Objekt den Zins trägt.
- Nettorendite über Zinssatz: Hebel wirkt positiv, Eigenkapitalrendite steigt
- Nettorendite unter Zinssatz: Hebel wirkt negativ, die Miete deckt die Zinsen nicht
- Steigende Zinsen in der Anschlussfinanzierung können einen positiven in einen negativen Hebel drehen
Ab welcher Rendite sich ein Objekt rechnet
Die ehrliche Antwort lautet: Das lässt sich nicht mit einer Zahl beantworten, weil die Frage falsch gestellt ist. Ob sich ein Objekt rechnet, hängt nicht allein von der Mietrendite ab, sondern davon, ob die Zahl in dein Konzept passt: Wie viel Eigenkapital bringst du mit? Welchen Zins bekommst du? Wie lange trägst du einen negativen Cashflow, bis Wertsteigerung und Tilgung das ausgleichen?
Eine Faustregel für erste Sortierung hilft trotzdem: Liegt die Nettomietrendite deutlich unter dem aktuellen Sollzins, arbeitet der Kredit gegen dich und die Finanzierung muss aus anderem Vermögen getragen werden. Liegt sie darüber, entsteht Spielraum – aber erst die Rechnung mit deinen tatsächlichen Kosten zeigt, ob vor oder nach der Tilgung Geld übrig bleibt. BaseImmo rechnet beides aus, über bis zu 25 Jahre.
Woran die Rendite-Rechnung ihre Grenzen findet
Jede Renditekennzahl ist eine Momentaufnahme auf Annahmen: Mietausfallquote, Instandhaltungskosten und Wertentwicklung sind Schätzungen, keine Garantien. Die Rendite sagt nichts darüber, ob die Miete am Markt durchsetzbar ist, ob die Substanz die nächsten Reparaturen übersteht oder ob eine Sonderumlage auf dich zukommt.
Deshalb gilt: Die Zahl ist ein Filter, kein Urteil. Sie sortiert offensichtlich zu teure Objekte aus und zeigt, wo sich eine genauere Prüfung lohnt – etwa der Abgleich der Exposé-Angaben mit den echten Unterlagen. Der Rendite-Rechner von BaseImmo liefert die Kennzahlen, entscheiden musst du auf der Basis, die eine Prüfung der Unterlagen ergibt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettorendite?
Die Bruttorendite teilt die Jahreskaltmiete durch den Kaufpreis. Die Nettorendite zieht zusätzlich Mietausfall und nicht umlagefähige Kosten ab und setzt sie ins Verhältnis zur Gesamtinvestition inklusive Kaufnebenkosten.
Welche Rendite ist realistisch?
Das hängt von Lage, Baujahr und Markt ab. Entscheidend ist der Vergleich mit dem Zinsniveau: Liegt die Nettorendite über dem Sollzins, trägt das Objekt seinen Kredit.
Warum rechnen Inserate meist mit der Bruttorendite?
Weil sie keine Nebenkosten, keinen Leerstand und keine laufenden Kosten enthält und damit die größte Zahl liefert. Für den Vergleich von Objekten ist sie trotzdem brauchbar, nur eben nicht als Renditeerwartung.
Wie stark drücken Kaufnebenkosten die Rendite?
Bei rund 10 bis 11 Prozent Nebenkosten sinkt die Nettorendite spürbar: Aus 4,3 Prozent Bruttorendite im Beispiel werden 3,2 Prozent netto – bei günstiger Grunderwerbsteuer etwas mehr, in teuren Ländern weniger.
Was ist der Mietfaktor?
Der Kaufpreis geteilt durch die Jahreskaltmiete. Bei 250.000 Euro und 10.800 Euro Miete sind das etwa 23 Jahre – die Bruttorendite und der Mietfaktor sind nur zwei Darstellungen derselben Zahl.
Muss ich bei der Rendite auch Steuern rechnen?
Für eine belastbare Eigenkapitalrendite ja. Steuern, AfA und die Steuerersparnis aus Verlusten können das Ergebnis deutlich verändern – BaseImmo rechnet beides, vor und nach Steuern.